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Ethik-Neigungsfach auf Studienfahrt in München

Das Jahr 2019 fing für den Ethik-Neigungskurs von Frau Paukner mit einer Studienfahrt zur ethischen, religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Bildung nach München sehr gut an. Getroffen haben wir uns um 9:00 Uhr in der Bahnhofshalle in Ulm (und es kam niemand zu spät!).

Auf der Anreise machten wir einen Zwischenstopp in Augsburg und besuchten die Synagoge dort. Wir erhielten eine Führung durch das Museum, welches zur Synagoge gehört. Dort wurden wir ausführlich über die Jüdische Kultur informiert und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Am Ende betraten wir noch das Gotteshaus und begaben uns danach auf die Weiterreise nach München in die Jugendherberge.

Der Donnerstagmorgen startete für uns alle um 7 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück in der Jugendherberge. Danach machten wir uns mit der U-Bahn gemeinsam auf den Weg zur LMU München am Geschwister-Scholl-Platz. Dort besuchten wir eine Vorlesung zu dem Thema "Grenzfragen von Theologie und Philosophie", welche von Frau Prof. Dr. Isabelle Mandrella gehalten wurde. Der Fokus der Vorlesung lag auf dem Grenzfall der "Christlichen Philosophie". Vorerst bekamen wir einen geschichtlichen Überblick über den Begriff und gingen dann zu ihrem eigentlichen Modell über. Am Ende der Vorlesung kam es noch zu einer abschließenden Bewertung der christlichen Philosophie.
Da dies die Universität ist, in welcher die Geschwister Scholl die Flugblätter gegen die Hitler-Diktatur zur Zeit des 2. Weltkriegs verteilt hatten, haben wir uns nach der Vorlesung noch die Denkmäler der "Weißen Rose", welche sich in der Universität befanden und an die Geschwister Scholl erinnern, angeschaut. Anschließend sind wir noch in die Gedenkstätte der Weißen Rose gegangen, welche sich ebenfalls im Lichthof der LMU München befindet.
Der Nachmittag stand uns Schülern zur freien Verfügung, bevor es dann am Abend in das Buddhistische Zentrum ging.

Um 20 Uhr besuchten wir das Buddhistische Zentrum München, in welchem wir auch sehr herzlich empfangen wurden. Dort hat man uns sehr interessante Einblicke in den Buddhismus ermöglicht und uns viele Fragen rund um Erleuchtung, Geist und Karma beantwortet. Die anschließende Meditation war ebenfalls ein sehr besonderes Erlebnis. Kurz darauf saßen wir im Couch-Club und hatten bei einem erfrischenden Getränk die Gelegenheit, uns gemütlich über die Erlebnisse der letzten Tage zu unterhalten und den Abend so entspannt ausklingen zu lassen.

Am Freitag mussten wir trotz der etwas kurzen Nacht (wir erinnern uns an den Besuch in einer Bar) früh aufstehen, um unsere Sachen wieder zu packen und uns auf den Weg zum Hospiz zu machen. München erwartete uns mit noch mehr Schnee als am Vortag und eisigen Temperaturen – Umstände, die nicht wirklich zu unseren Fußmärschen mit viel Gepäck gepasst haben. Wir waren alle etwas nervös und aufgeregt davor, was uns im Hospiz erwarten würde. Wie ist es wohl an einem Ort, an dem Menschen sterben? Unsere Erwartungen von einem bedrückenden Haus voller Trauer, wurden nicht bestätigt. Wir wurden freundlich von zwei Mitarbeitern des Hospizes empfangen, die nicht im Geringsten Trauer oder Tod verkörperten, sondern ganz im Gegenteil: menschliche Wärme. Unser Besuch begann also in diesem hellen und freundlichen Haus mit einer Fragerunde, die doch aber schnell auch sehr unangenehme Themen beinhaltete: Sind Menschen, die sterben, einsam? Hat man sich ab einem gewissen Punkt vom Leben verabschiedet? Und was macht das mit den Angehörigen, die einen geliebten Menschen verlieren? Die Mitarbeiter hatten nicht auf alle Fragen eine konkrete Antwort, denn: Sterben ist vielschichtig und vor allem so individuell wie jeder Mensch es auch ist. Trotzdem war es unheimlich interessant vom Alltag der Gäste und Mitarbeiter zu erfahren, wie sie arbeiten und vor allem, woher man die Motivation nimmt, einen solchen fordernden Job zu übernehmen. Die Antwort lautete meistens: Man tut etwas Gutes. Man ist in den dunkelsten Stunden des Lebens eines Menschen für ihn da und vor allem lernt man das eigene Leben dadurch viel mehr schätzen. Die Beiden nahmen uns sofort die Angst, etwas Falsches zu sagen, zu viel zu fragen oder den Tod nicht in den Mund nehmen zu wollen. Anschließend bekamen wir eine Führung durch das Haus, bei der sich unser Eindruck von einem hellen und freundlichen Ort nur noch bestätigte. Unser Rundgang endete im hauseigenen Raum der Stille, in dem wir noch die Möglichkeit bekamen, sehr persönliche letzte Worte der Angehörigen an die Verstorbenen, zu lesen. So angenehm die ganze Atmosphäre auch war, die Zeilen voller Sehnsucht und Trauer haben uns nachdenklich und auch etwas bedrückt zurückgelassen. Jeder hatte seinen eigenen Weg damit umzugehen: Sterben ist scheiße, aber wenn es an der Zeit ist, ist ein Hospiz wie dieses, mit so tollen, ehrenamtlichen Helfern, wirklich der beste Ort dafür.

Der Heimweg klappte trotz der Schneemassen pünktlich und wie geplant. Im Zug überfiel dann die meisten von uns die Müdigkeit, aber dennoch tauschten wir uns rege über die Erlebnisse der letzten Tage und unsere Eindrücke aus. Wir, als Ethik-Kurs, können uns sehr glücklich schätzen, solche Erfahrungen im Rahmen einer Schulexkursion machen zu können. Das, was wir erlebt haben, war nicht nur für unsere Schulbildung, sondern auch für uns als Menschen von großer Bedeutung, weswegen wir unserer Lehrerin Frau Paukner, nicht genug danken können, dass sie diese Exkursion möglich gemacht hat.

Lukas Lindner, Edanur Yarar, Franca Wimböck, Sophie Herrlinger, Leonie Balbach, Rufus Gallus und Jana Braungardt

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