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Vier Monate im ewigen Eis auf der Polarstern – Ein Interview des Seminarkurses mit Hans Honold von AlpineWelten

Hallo Hans, du kommst gerade aus dem Nordpolarmeer zurück. Wir würden dir gerne ein paar Fragen im Seminarkur stellen.
Ja, gerne.

Deine Zeit auf der Polarstern ist nun zu Ende. Was war denn das beeindruckendste Erlebnis auf der Polarstern?
Alles! Vielleicht ganz besonders die Begegnung mit dem Polarbären auf eine Entfernung von gerade mal 65 Metern. Man wusste immer: Ich bin Teil eines weltgeschichtlich wichtigen Unternehmens, das Menschen auf der ganzen Welt verfolgen.
Wie sah denn so ein Tagesablauf von dir aus, v.a. wenn es den ganzen Tag dunkel ist?
7 Uhr aufstehen, 7.30 Uhr Frühstück, 8 Uhr Brückenwache. Dann von 9-11.30 Uhr mit einem Forscherteam aufs Eis. Für das Team Wege in Gang halten, Material besorgen und natürlich die Bärenwache. Das ist bei Temperaturen von bis zu 35 Grad unter Null ganz schön heftig. Dazu kommt noch der Windchill, der es bis 47 Grad unter Null werden lässt. Mittagspause, dann wieder aufs Eis bis 17 Uhr. Dabei unterwegs zu Fuß, mit dem Skidoo oder dem Hubschrauber. Um 18 Uhr Abendessen. Um 20 Uhr ist dann Feierabend. Man konnte dann in die Sauna, Schwimmen gehen oder ins „Zillertal“ gehen. Das war die Bar.
Welche Forschungsbereiche gibt es auf der Polarstern?
Auf der Polarstern sind Forscher aus 16 Nationen. Es gibt dabei verschiedene Teams mit unterschiedlichen Forschungsaufgaben. Das Team „Eco“ aus Schweden bohrt z.B. Löcher ins Eis und fängt mit einer 300 Meter langen Leine Dorsche, die dann später in Stockholm auf Schwermetall untersucht werden. Natürlich spielt das Thema Erdwärmung und Methanausstoß eine zentrale Rolle. Vor 10 Jahren wäre das Eis viel zu dick gewesen, um dahin zu kommen, wo die Polarstern eingefroren ist. Auffällig ist, dass der Süßwassergehalt unter dem Eis viel höher war als erwartet. Woher kommt das, und was bedeutet das für das Klima? Jetzt werden ein Jahr lang Daten aufgenommen, die dann erst später ausgewertet werden können.
Was waren die größten Gefahren?
Eisbären, die nur 50 Meter entfernt waren. Aber es gab mehrere heikle Situationen. Bei Temperaturen bis zu -35 Grad und Windchill, der das als 45 Grad unter Null erscheinen lässt, sind Erfrierungen eine Gefahr. Das Gehen über das Eis ist gefährlich. Zweimal sind Forscher komplett eingebrochen. Trotz schwimmfähigem Anzug wird es bei einer Wassertemperatur von 1,7 Grad unter Null eng, bis du beim Schiff bist.
Was hast du am meisten vermisst während der Expedition?
Sonne! Aber sonst ist man ganz in den Bann dieser einzigartigen Expedition gezogen. Man hat das Gefühl „Ich mache jetzt etwas, was wirklich sinnvoll ist“. Menschen auf der ganzen Welt nehmen da Anteil.
Was macht mehr Spaß: Bergführer sein oder Polarguide?
Schwer. Es gibt den Bergvirus und den Polarvirus. Vom Gefühl her verlässt du in den Polregionen den Planeten – Gänsehaut. Aber sowohl als Bergführer und als Polarguide bist du im Prinzip so etwas wie ein „Kindermädchen und Risikomanager“. Manche Forscher waren z.B. bei ihren Experimenten mit den dünnen  Handschuhen auf dem Eis so in ihre Arbeit vertieft, dass man sie mit sanfter Gewalt und einem Tee vor Erfrierungen bewahren musste.
Was ist dein schönstes Foto, das du gemacht hast?
Das ist schwer bei 2700 Fotos! Vielleicht das mit dem Polarbären 65 Meter von mir entfernt und mein Schatten reicht bis zum Bären.
Und zuletzt: Kommst du nach deiner Rückkehr mal zu uns an die Schule und hältst einen Vortrag?
Sehr gerne!

Vielen Dank für das Gespräch und die tollen Eindrücke von der Polarstern!


(Die Fragen stellten die Teilnehmer des Seminarkurses „Menschen und Berge“ vom Joachim-Hahn-Gymnasium Blaubeuren.)

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