Am Joachim-Hahn-Gymnasium ist ein kreatives Schulhausprojekt entstanden, das Literatur und Kunst auf besondere Weise miteinander verbindet. Beteiligt waren die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Kunst der Jahrgangsstufe 12 sowie die SMV – und die Idee dazu reicht bereits ins vergangene Schuljahr zurück.
Damals entwickelte eine Schreibwerkstatt-AG das Motto „Literatüren“. Hinter diesem Wortspiel steckt mehr als nur ein kreativer Einfall: Es verbindet „Literatur“ mit „Türen“ und beschreibt die Vorstellung, dass Texte Zugänge zu neuen Welten öffnen – zu Gedanken, Fantasien und Perspektiven. Genau diese Idee wurde nun sichtbar im Schulhaus umgesetzt.
In der Schreibwerkstatt und im Kunstunterricht setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit literarischen Werken auseinander. Dabei entstanden Bilder zu Klassikern wie Kafkas „Der Prozess“, Goethes „Faust“, Shakespeares „Romeo und Julia“ oder Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Auch moderne Werke wie „Corpus Delicti“ sowie Jugendliteratur – etwa aus „Harry Potter und der Orden des Phönix“ – fanden ihren Platz. Für jüngere Klassen wurden zudem Märchen wie „Rotkäppchen“ künstlerisch aufgegriffen.
Das Ergebnis des Projekts zeigt sich nun an einer neu gestalteten Wand im Schulhaus: Wie durch einen geöffneten Vorhang blickt man in eine vielschichtige Szene, in der verschiedene literarische Figuren und Motive aufeinandertreffen. Die Darstellung wirkt wie eine Bühne – oder eben wie eine „Tür“ in andere Geschichten. Unterschiedliche Charaktere, Stimmungen und Handlungselemente verschmelzen zu einem Gesamtbild, das beim Betrachten immer neue Details entdecken lässt.
Auffällig ist dabei die Mischung aus Fantasie und Interpretation: Figuren treten aus dem Bildraum hervor, Perspektiven überlagern sich, und symbolische Elemente regen zum Nachdenken an.
Auch der neu gestaltete Sitzbereich in unmittelbarer Nähe greift dieses Konzept auf. Hier wird das Schulhaus nicht nur verschönert, sondern aktiv als Lebensraum gestaltet. Die farbenfrohen und erzählerischen Elemente des Bereichs schaffen eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt – ein Ort, an dem Gespräche, Ideen und vielleicht auch neue Geschichten entstehen können.
Dass dieses Projekt realisiert wurde, geht auch auf eine Initiative der SMV zurück. In einer Umfrage hatten sich viele Schülerinnen und Schüler gewünscht, ihr Schulhaus kreativer und ansprechender zu gestalten – ganz im Sinne des Leitgedankens „Schule als Lebenswelt“.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Aus einzelnen Bildern ist eine große „Literatür“ entstanden – eine Symbiose aus Kunst, Raum und Literatur. Das Joachim-Hahn-Gymnasium zeigt damit eindrucksvoll, wie Schule mehr sein kann als ein Lernort: nämlich ein Ort, an dem Kreativität sichtbar wird und Geschichten lebendig werden.
